Von Vollzeit-Mama zu Vollzeit-Job: „So schwer fiel mir der Wiedereinstieg in den Beruf“

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Das Baby loszulassen, um zur Arbeit zu gehen, das ist für manche Mütter und Väter nicht leicht (Symbolbild).

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Die erste Zeit mit Baby ist neu und anders und stellt vieles auf den Kopf. Wenn dann nach Mutterschutz und Elternzeit der Arbeitsalltag wieder anklopft, müssen Mütter und Väter neue Abläufe und Routinen finden. Aber auch emotional ist es eine Herausforderung: Das Kind abzugeben und es so viel weniger um sich zu haben, kann ganz schön schwierig sein. Genauso ist es Stefanie ergangen. Hier erzählt sie ihre persönliche Geschichte:

„Lag meine kleine Sophie noch gestern als Neugeborene in meinen Armen, musste ich sie vor kurzem in die Kita abgeben. Für mich ein großer und schwerer Schritt verbunden mit Trauer, Zerrissenheit und der Gewissheit, dass unsere Kleinen viel zu schnell groß werden.

Noch langer bevor ich überhaupt schwanger war, waren Mutterschutz und anschließende Elternzeit ein Thema bei der Arbeit und in meinem Freundeskreis. Ein Thema gerade deshalb, da ich in Belgien wohne und hier die Uhren etwas anders ticken. 15 Wochen Mutterschutz und dann wieder Vollzeitangestellte, ist für viele Mütter in Ordnung. Für mich nicht. Die Zeit mit unseren Kindern vergeht doch viel zu schnell, warum sich auf die Arbeit zurück hetzen? Insgesamt habe ich dann doch ganze acht Monate „zusammengeklaubt“ und das war richtig lang für belgische Verhältnisse.

Wie überstehe ich die Trennung von meinem Baby?

Die Zeit lässt sich bekanntlich nicht anhalten und so kam vor zwei Wochen mein Wiedereinstieg. Schon Wochen vor Arbeitsbeginn packte mich die Panik. Wie sollte ich die Arbeitstage mit Schlafmangel überwinden? Wie kann ich acht Stunden arbeiten und gleichzeitig noch Zeit für meine Kleine, für meinen Partner und für mich finden? Wie arrangieren wir uns, wenn die Kleine krank ist? Wie überstehe ich die Trennung von meinem Baby? Viele Fragen und Unsicherheiten und der große Wunsch noch ein paar Monate dranhängen zu können.

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Stephanie mit ihrer Tochter Sophie.

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privat

Beim Gang zur Arbeit war ich nervös wie beim allerersten Arbeitstag. Andererseits erinnerte ich mich daran, wie ich beim letzten Mal, hochschwanger, diesen Gang nur schwer schnaufend bestritten hatte. Diese Woche war die Treppe kein Hindernis mehr und ich dachte noch: „Hey, dass wird vielleicht gar nicht so schwer.“ Umarmungen, Küsschen und viele Fragen. Der erste Tag verging wie im Flug und ich konnte es kaum abwarten, meine Kleine abends wieder in die Arme zu schließen.

Wie sollte ich Beruf und Kind in Zukunft vereinen?

Die folgenden Tage waren dann eher von Schwermut geprägt. Sophie war abends sehr müde, so dass wir sie früh ins Bett brachten und ich sie eigentlich nur morgens wirklich genießen konnte. Wobei ich 15 Minuten im Bett kuscheln nicht genießen nenne. Es brach mir das Herz, mich für die Arbeit richten zu müssen, während sie mir ihr schönstes Engelslächeln schenkte und so unbekümmert spielte. Zwei Stunden am Tag mit meiner Maus, damit wir uns ein paar Dinge mehr leisten können? Ist das meine neue Realität? Bei diesen Gedanken kamen mir die Tränen.

Dann wurde Sophie auch noch krank und hat uns eines donnerstagmorgens mit 39 Grad Fieber aus dem Schlaf geheult. Bis dahin kannte ich von Kollegen nur zu gut die „Child sick leave“-Mails - an diesem Tag durfte ich dann selbst eine verschicken, weil ich Sophie nicht in die Kita bringen konnte. Es war ein Tag voller Gefühlschaos, an dem ich versuchte trotz krankem Kind irgendwelche beruflichen „Brände“ zu löschen. Ich stand zwischen Arbeit und Familie und frage mich, wie ich Beruf und Kind in Zukunft vereinen sollte, gerade wenn einem Deadlines, Meetings und Kundenanfragen im Nacken sitzen. Und der Mail-Posteingang platzt sowieso aus allen Nähten.

Von Vollzeit-Mutter zur Vollzeit-Angestellten

Viele meiner Kollegen fragten mich in diesen ersten Tagen, wie es mir ginge und ob ich die Trennung verkraften würde. Die Antwort: „Nein“! Ich weiß, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem eine Mutter lernen muss loszulassen, damit ihr Kind seinen eigenen Weg geht. Mit acht Monaten finde ich es dennoch viel zu früh. Hinzu kam die plötzliche Umstellung von Vollzeit-Mutter auf Vollzeit-Angestellte und das Gefühl für Nichts mehr wirklich Zeit zu haben.

Was es braucht ist Zeit. Zeit, um mich an die neue Situation zu gewöhnen, Zeit, um meine Prioritäten neu zu setzen, Zeit, um eine gesunde „Work-Life-Balance“ zu finden. Gewiss reichen da zwei Wochen nicht aus.

Den Satz „für die Mutter ist es schwerer als für das Baby“, den hab ich gefühlte hundert Mal gehört und im Inneren weiß ich, dass die neue Situation auch viele Vorteile bringt. An meinen Gefühlen ändert dieses Wissen im Moment aber noch nichts.“

Der Text erschien ursprünglich im Blog Stadt-Land-Mama.

Stefanies Blog heißt Sweet Baking Stories.