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Bewerbung: Wie man Lücken im Lebenslauf am besten kaschiert – und wann lügen okay ist

Von Corinna Heyde

Mensch unterschreibt Lebenslauf

Größere Lücken im beruflichen Werdegang können potenzielle Arbeitgeber abschrecken.

Foto:

Monique Wüstenhagen

Köln

Es gibt viele Gründe, im Lebenslauf nicht alle Karten offen auf den Tisch zu legen. Der eine nimmt sich nach dem Abitur ein Jahr lang eine Auszeit. Der andere ist nach längerer Arbeitslosigkeit wieder auf der Suche nach einem Job in der eigenen Branche. Für viele Jobsuchende stellt sich beim Verfassen der Bewerbung die Frage: Wie viel muss ich in einem Lebenslauf von mir preisgeben? Und darf ich sogar lügen?

In manchen Fällen ist Lügen erlaubt

„Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Lügen in einer Bewerbung“, erklärt der Karriereberater und Diplompsychologe Jürgen Hesse. „Wenn jemand beispielsweise für einige Zeit im Gefängnis saß und sich anschließend für eine Stelle bewirbt, muss er die abgesessene Zeit nicht im Lebenslauf angeben. Der Gesetzgeber spricht hier von einer Notwehrlüge.“ Auch längere Krankheitsphasen müssen in der Bewerbung nicht offengelegt werden.

Der Lebenslauf sei schließlich, ebenso wie das Vorstellungsgespräch, eine Art der Selbstvermarktung: „Man retuschiert ja auch auf dem Foto Augenringe oder Fältchen weg und rückt sich selbst ins beste Licht“, so der Karriereberater. Somit seien Beschönigungen inhaltlicher Art durchaus erlaubt – wenn Sie nicht völlig übertrieben seien. „Wer einen Doktortitel erfindet oder sich mit gewonnenen Wettbewerben brüstet, bei denen man nie teilgenommen hat, geht natürlich zu weit“, erklärt Hesse.

Lücken müssen erklärt werden können

Aber was tun, wenn eine Lüge im Bewerbungsgespräch auffällt? Grundsätzlich sollte man sich nicht verunsichern lassen und im Zweifel mit offenen Karten spielen. Wer sich nicht genauer erklären kann oder möchte, könne immer persönliche Gründe für eine Lücke im Lebenslauf angeben. Hierzu zähle beispielsweise die Pflege eines Angehörigen. „Es geht ja nicht darum, eine detailgetreue Aufzeichnung des Lebensweges abzugeben, sondern eine Art Profil zu erstellen, mit dem man seine Arbeitsleistung verkauft.“

Auch Kündigungen oder abgebrochene Ausbildungen müssen nicht zur Absage führen – der Bewerber müsse sie, so Jürgen Hesse, nur richtig erklären können: „Wenn man nach zwei Monaten die Lehre im Einzelhandel abgebrochen hat, dann rechtfertigt man das so, dass der Berufszweig eben nicht der richtige für einen war.“

Auch bei Hobbys aufpassen

Sich komplett neu zu erfinden, sei jedoch nicht der richtige Weg – so etwas könne im persönlichen Gespräch schnell auffliegen: „Wenn man jetzt zum Beispiel angibt, man würde in der Freizeit tanzen, kann aber keinen Tango vom Walzer unterscheiden, kommt das im Gespräch natürlich negativ rüber“, so der Karriereberater. Dadurch verliere man seine Glaubwürdigkeit und vermutlich auch alle Chancen auf den Traumjob. Dementsprechend sollten Bewerber auch bei der Angabe der Hobbys darauf achten, sich nicht die verrücktesten Freizeitaktivitäten auszudenken, sondern lieber nah bei der Wahrheit zu bleiben.

Wer unsicher ist, wie man Lücken oder Probleme im Lebenslauf am Besten begründet: Hier finden Sie sieben hilfreiche Tipps aus dem Ratgeber „Training Lebenslauf” von Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader:

Arbeitslosigkeit unter einem Jahr

So wirkt es: Der Bewerber ist vielleicht nicht mehr ganz auf dem aktuellsten Stand, eventuell wenig ehrgeizig

So kaschiert man am besten: Berufliche Orientierung, Fortbildung, Auslandsaufenthalt

Arbeitslosigkeit ab einem Jahr

So wirkt es: Starker Kompetenzverlust, fraglicher Arbeitswille, wenig Initiative

So kaschiert man am besten: Selbstständige Tätigkeit, Fortbildung, Pflege von Angehörigen, Ehrenamt

Kindererziehung bis zu einem Jahr

So wirkt es: Nicht ganz auf aktuellem Stand, aber fürsorglich, verantwortungsvoll

So kaschiert man am besten: Erziehungsjahr, Fortbildungen, Kontakt zu Kollegen gehalten

Kindererziehung über ein Jahr

So wirkt es: Großer Kompetenzverlust, vor allem im Technik/IT-Bereich, beruflich wenig zielstrebig, Familie wichtiger als Beruf

So kaschiert man am besten: Familienmanagement, auch Fortbildungen oder selbstständige Tätigkeit

Gefängnisaufenthalt

So wirkt es: Kompetenz- und Vertrauensverlust, weniger pflichtbewusst und zuverlässig

So kaschiert man am besten: Auslandsaufenthalt, Pflege von Angehörigen

Krankheit (über 3 Monate)

So wirkt es: Nicht ganz auf aktuellem Stand, eventuell ungesunde Lebensweise

So kaschiert man am besten: Fortbildung (auch im Selbststudium), berufliche Neuorientierung

Private Auszeit

So wirkt es: Hier kommt es auf die Gründe für die private Auszeit an. Wer Angehörige pflegt, kann dies durchaus angeben, Wer wegen einer Trennung oder aus anderen Gründen nicht beruflich tätig war, sollte es besser kaschieren

So kaschiert man am besten: Pflege oder soziales Engagement nennen und mit Weiterbildung in spezifischen Bereichen verknüpfen; bei anderen Gründen persönliche Neuorientierung angeben, eventuell auf Selbststudium zurückgreifen